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Fünf Minuten lang mehr oder weniger belanglose Fragen am Telefon beantworten, dann steht das Persönlichkeitsprofil, erstellt von einer Computersoftware. So könnte in Zukunft das Bewerbungsgespräch aussehen. Das ist aber keine Science-Fiction mehr, sondern so ein Programm gibt es schon. Entwickelt wurde es vom Aachener Unternehmen Precire, informierte der Onlinebranchendienst Meedia. Es verspricht, dass sich allein durch die Sprache einer Person – etwa Sprechgeschwindigkeit, Anzahl der Pausen und Füllwörter, Komplexität der Sprache (Wortvarianz, Satzverschachtelungen) und Betonung – ein umfassendes Persönlichkeitsprofil erstellen lässt. Ermittelt werden könne so beispielsweise Kontaktfreudigkeit, Belastbarkeit, Neugierde, Risikofreude, Dominanz, Fähigkeit zur (Selbst-)Organisation, emotionale Stabilität und Fleiß. Die Software basiert auf umfassenden Persönlichkeits- und Sprachanalysen von mehr als 5 000 repräsentativ ausgewählten Probanden. Darauf basierend erkennt Precire nun, welche Sprachmuster typisch für die jeweiligen Charaktergruppen sind und insbesondere, welche Sprachmuster nur in bestimmten Gruppen vorkommen. Laut Unternehmensangaben liege die Treffsicherheit bei mehr als 85 Prozent. Erste Firmen, etwa der Personaldienstleister Randstad, nutzen die Software bereits. Sie erhalten zu jedem Bewerber ein kurzes Dokument, in dem die Eigenschaften des Interessenten mit den zuvor festgelegten Anforderungen verglichen werden. Auch wenn die Software sicherlich kein Bewerbungsgespräch ersetzt, kann sie helfen, schnell eine erste Vorauswahl zu treffen. Noch einen Schritt weiter geht die Software Vera des russischen Startup-Unternehmens Strafory, berichtet das „Manager Magazin“: Hierbei handelt es sich um einen Roboter, der selbstständig Stellenausschreibungen durchliest, in Jobportalen nach Bewerbern sucht und sie sogar anruft. Bereits 50 000 Gespräche am Tag – in Russisch oder Englisch, am Telefon oder per Videochat – führt Vera, die auch als Mann auftreten kann, in Russland für zahlreiche Unternehmen, darunter Konzerne wie Ikea, Pepsi und L’Oreal. Derzeit eignet sich die Software am besten für die Besetzung einfacher Jobs wie Sachbearbeiter, Kellner oder Bauarbeiter. Sie wird dazu einfach mit dem Jobprofil gespeist und macht sich dann auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. Sie spart den Unternehmen so viel Zeit bei der Vorauswahl der besten zehn Prozent der Bewerber. Da die Software als künstliche Intelligenz angelegt ist, also selbstständig aus ihren Erfahrungen lernt, soll sie zukünftig noch präziser passende Bewerber finden. AF

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