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Eine Studie der Universität Leipzig konnte zeigen, dass Hörbeeinträchtigungen sich signifikant auf die langfristige Entwicklung von Demenz auswirken. Wie das Universitätsklinikum Leipzig in einer Pressemitteilung schreibt, wurden in der Studie über einen Zeitraum von 20 Jahren insgesamt 3 500 Senioren über 75 Jahre erfasst. 30 Prozent der Teilnehmer stellten zu Beginn der Studie eine Hörminderung fest und ein Viertel der Probanden entwickelte eine Demenz. Im Durchschnitt begann die Erkrankung 5,5 Jahre nach dem Start der Studie. Die Studie verdeutliche, so die Autoren, dass eine Hörbeeinträchtigung, aber nicht eine Sehbeeinträchtigung, ein starker Risikofaktor für Demenz bei Senioren sei.

Eine andere Studie, die in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht wurde, legt den Schluss nahe, dass der Verlust sowohl des Gehörs als auch des Sehvermögens das Risiko für Demenz verdoppelt. Für ihre Untersuchung befragten die Forscher 6 520 Menschen im Alter zwischen 58 und 101 Jahren. Die Probanden mussten sowohl ihr Seh- als auch ihr Hörvermögen einschätzen. Die Forscher untersuchten sechs Jahre lang im Zweijahresrhythmus die Denk- und Gedächtnisfähigkeiten der Teilnehmer und analysierten die Beziehung zwischen einer Hör- oder Sehbehinderung und Demenz sowie zwischen beiden Beeinträchtigungen und Demenz. Dabei fanden sie heraus, dass die Probanden mit sowohl Hör- als auch Sehbehinderung ein doppelt so hohes Risiko hatten, an Demenz zu erkranken, wie Personen mit normaler Sinnesfunktion. Bei Menschen mit nur einer Beeinträchtigung war die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, nicht höher als bei Menschen mit normaler sensorischer Funktion.

Einen möglichen Zusammenhang zwischen Sinnesbeeinträchtigung und Gedächtnisfunktion ermittelten Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum. Sie fanden heraus: Werden die Signale aus dem Hörsinn schwächer, stört das scheinbar die synaptische Plastizität des Gehirns, also die Anpassungsfähigkeit der Anzahl der Rezeptoren zur Informationsweiterleitung abhängig von der Reizanzahl. Speziell gestört wird die normale Ausprägung von Rezeptoren im Hippocampus, einer für die Gedächtnisbildung und Merkfähigkeit entscheidenden Hirnregion. Das stellten die Forscher bei Untersuchungen an Mäusen fest, berichtete die Zeitschrift „Sprachrohr“. Bei den Mäusen war die synaptische Plastizität durch einen fortschreitenden Hörverlust chronisch beeinträchtigt, konnten die Forscher zeigen. Somit scheint der altersbedingte Hörverlust mutmaßlich die Ursache für den kognitiven Verfall zu sein. Die Forscher betonen daher die Bedeutung eines frühzeitigen Ausgleichs einer Hörbeeinträchtigung für den Erhalt der geistigen Gesundheit. Nützlich dafür sei die regelmäßige Überprüfung des Hörvermögens. Das ist kostenlos beim Hörakustiker oder HNO-Arzt möglich sowie – mit geringerer Aussagekraft – mit Online-Hörtests, etwa auf der Internetseite des Digitalen Demenzregisters Bayern (digiDEM Bayern): https://digidem-bayern.de/onlinehoertest

zg, ML, AF

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