Foto: Silicon Surfer

Das Durchschnittsalter der ARD- und ZDF-Zuschauer liegt bei über 60 Jahren, wobei gerade diese Gruppe Schwierigkeiten hat, den Fernsehdialogen zu folgen. Für viele Ältere sind die Schnitte zu schnell und die Gespräche zu oft von Hintergrundgeräuschen oder Hintergrundmusik überlagert. Außerdem strahlen moderne Flachbildgeräte aus designtechnischen Gründen den Ton nach hinten ab, so dass das hörbeeinträchtigten Menschen das Verstehen noch schwerer fällt. Um dem abzuhelfen, entwickelt der Messgerätehersteller RTW gemeinsam mit Wissenschaftlern der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Institutes für Digitale Medientechnologie ein neues Analysewerkzeug für Toningenieure: das Tool „Speech intelligibilty control for broadcast“ (SI4B). Es soll die Sprachverständlichkeit kontinuierlich überwachen und auf Basis einer Echtzeitanalyse des Audiosignales die aktuelle Sprachverständlichkeit sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Tonmischung anzeigen. Die Hörwahrnehmung von Menschen mit Hörminderung soll ebenfalls berücksichtigt werden.

Auch von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) wurden die Schwierigkeiten älterer Hörgerätenutzer beim Fernsehen gemeinsam mit dem Hörgerätehersteller Sivantos untersucht. Hier zeigte sich ebenfalls, dass viele hörbeeinträchtigte Menschen akustische Probleme haben, sobald sie den Blick vom Fernseher abwenden, eine andere Person die Lautstärke einstellt, laute Hintergrundmusik läuft oder Soundeffekte hinzukommen. Deshalb werde versucht, die Hörgerätekonfigurationen für das Fernsehen besser an das Nutzungsverhalten anzupassen beziehungsweise weitere technische Hilfsmittel für das Nutzerverhalten hörbeeinträchtigter Menschen zu optimieren, so die Verantwortlichen.

Einen anderen Weg geht derweil die Firma Silicon Surfer des Informatikers Dr. Tim Schlippe, ein Start-up-Unternehmen, das von Absolventen des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) gegründet wurde. Sie hat bis Anfang August mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld gesammelt, um bei der technischen Weiterentwicklung ihrer WaveFont-Untertitelung zu helfen und die Markteinführung zu unterstützen. Diese Software soll es ermöglichen, Untertitel zu erstellen, die unter anderem Betonung, Dehnung, Lautstärke von gesprochenem Text und Emotionen mithilfe von Schriftparametern wie Strichstärke oder Zeichenbreite wiedergeben. Anhand des gezielt formatierten Schriftbildes kann also nachvollzogen werden, wie etwas gesprochen wurde. Somit würden WaveFont-Untertitel einen deutlichen Mehrwert liefern, gerade für hörbeeinträchtigte Menschen. Mehr Informationen dazu sind hier einsehbar. AH/AF

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