Fotos: Cochlear Limited

Kürzlich wurde vom Hörimplantathersteller Cochlear das neuartige Osia-System vorgestellt, ein aktives Knochenleitungshörsystem. Es verfügt über das weltweit erste osseointegrierte Steady-State-Implantat (OSI), teilte das Unternehmen in einer Pressemeldung mit. Es wird auf beziehungsweise geringfügig in den Knochen eingesetzt (osseointegriert). Das Osia-System, bestehend aus den Implantatkomponenten Osia OSI200 und dem bewährten Implantat BI300, umgeht mittels piezoelektrischer Stimulation geschädigte Bereiche des natürlichen Gehörs und sendet die Schallinformationen direkt ans Innenohr. Dafür erzeugt der Piezo-Power-Wandler aus Schall Vibrationen, die dann an einem Übertragungspunkt an den Knochen weitergeleitet werden und von dort ins Innenohr gelangen.

Äußerer Teil des Hörimplantatsystems ist der schlanke Soundprozessor Osia 2 (9,4 g, 10,4 mm hoch), der frei vom Ohr getragen wird und die Schallinformationen digital ans Implantat weiterleitet. In einer Studie konnte damit eine deutliche Hörverbesserung in ruhigen und lauten Umgebungen im Vergleich zu einer anderen transkutanen (durch die intakte Haut) Knochenleitungshörlösung mit gleichem Anpassbereich nachgewiesen werden. Im Vergleich mit einem perkutanen Knochenleitungsimplantatsystem (Implantat wird an einer Halterung befestigt, die durch die Haut ragt) mit gleichem Anpassbereich waren durchschnittlich 12 dB mehr Verstärkung möglich. Besonders leistungsstark ist das Osia-System laut Cochlear im Hochfrequenzbereich, der für das Sprachverstehen sehr wichtig ist. In Vorstudien am Universitätsklinikum Freiburg erreichten Patienten damit ein sehr gutes Sprachverstehen in Ruhe und im Störgeräusch. Das neue Implantat kann laut Herstellermitteilung eine sensorinorale Schwerhörigkeit, also einen Innenohrhörverlust bis 55 dB ausgleichen und ist zudem einfach implantierbar. Geeignet ist es für Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene mit Schallleitungsschwerhörigkeit, kombiniertem Hörverlust oder einseitiger sensorineuraler Taubheit (single-sided deafness, SSD).

Der Osia-Soundprozessor ist in fünf Farben verfügbar, staub- und feuchtigkeitsbeständig gemäß IP57 und bei Verwendung des Zubehörs Osia 2 Aqua+ bis zu einer Tiefe von drei Metern wasserdicht (gemäß IP68). Das neue Hörimplantatsystem bietet zudem vielfältige kabellose Vernetzungsmöglichkeiten, etwa das direkte Streamen in den Soundprozessor von kompatiblen Apple-Mobiltelefonen ohne Zubehör, von Android- und anderen Smartphones über das Zubehör Cochlear Wireless Phone Clip. Zudem kann das gesamte Portfolio an Cochlear-True-Wireless-Geräten genutzt werden. Gesteuert werden kann das System per App über das Smartphone oder über die Apple Watch. MRT-Untersuchungen bis 3 Tesla sind möglich, wenn zuvor der Magnet entfernt wird. Bisher wurden laut Cochlear 22 Menschen mit dem Osia-System versorgt, darunter eine Patientin in Deutschland.

Das Osia-System ist nach Herstellerangaben keine Nachfolgelösung für Knochenleitungshörsysteme wie das Baha von Cochlear, sondern eine Ergänzung.     zg/AF

 

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